"Wir müssen uns nicht verstecken"
Die letzte Davis Cup Begegnung in Marbella liegt mehr als sieben Monate zurück. Wie oft hast Du in der Zwischenzeit an das unglückliche 2:3 gegen Spanien denken müssen?
Die Niederlage in Marbella hat mich schon noch ein paar Wochen beschäftigt. Grundsätzlich erlebe ich die Zeit beim Davis Cup immer sehr intensiv und da ist es kaum möglich, von heute auf morgen abzuschalten. Die Partie gegen Spanien war besonders emotional, weil die Matches sehr eng waren und wir bis zum Schluss die Chance hatten, beim Titelverteidiger für eine Überraschung zu sorgen. Insofern habe ich mich schon noch eine Weile an die Szenen in der Stierkampfarena von Marbella erinnert.
Überlegt man sich im Nachhinein dann vielleicht doch das ein oder andere Mal, was gewesen wäre, wenn ...
Nein, so habe ich nie gedacht. Wir sind mit der bestmöglichen Mannschaft angetreten, haben uns mit zwei Debütanten im Team teuer verkauft und den Titelverteidiger vor eigenem Publikum an den Rand einer Niederlage gebracht. Die Matches waren mir zwar noch lange sehr präsent, aber mit einer Frage wie "was wäre gewesen, wenn..." beschäftige ich mich nicht - nicht zuletzt weil es darauf keine Antwort gibt.
Am 28. Februar fliegst Du mit dem deutschen Team nach Toulon, wo mit Frankreich die nächste schwere Aufgabe wartet. Was waren Deine ersten Gedanken, als Du Ende September von der Auslosung erfahren hast?
Ein harter Brocken, das war mein erster Gedanke. Ein sehr schweres Los. Mir war klar, dass wir auf einen sehr starken Gegner treffen werden, auch wenn die Franzosen im Davis Cup in den letzten beiden Jahren unter ihren Möglichkeiten geblieben sind.
Mit einem Top-10-Spieler und zwei weiteren Profis unter den ersten 20 ist die Favoritenrolle in Toulon klar verteilt. In Marbella war die Ausgangslage ähnlich und trotzdem war der Sieg zum Greifen nah. Wie schätzt Du die Chancen des deutschen Teams dieses Mal ein?
Die Favoritenrolle liegt natürlich bei den Franzosen, ganz klar. Aber natürlich haben wir das Ziel, in Toulon zu gewinnen. Wir stehen vor einer großen Herausforderung und werden uns auf diese schwere Aufgabe genauso intensiv vorbereiten wie in der Vergangenheit auch. Und nicht zuletzt die Partie in Marbella hat gezeigt, das wir uns selbst bei der derzeit stärksten Nation im Herrentennis nicht verstecken müssen.
In Toulon musst Du einmal mehr auf Tommy Haas verzichten. Wie schwer wiegt sein Fehlen?
Ich habe mir natürlich gewünscht, dass Tommy für uns spielt. Wir haben lange und intensive Gespräche geführt, aber leider fühlt er sich körperlich nicht in der Lage gegen Frankreich zu spielen. Das hängt vor allem mit der besonderen Belastung im Davis Cup zusammen. Tommy will topfit sein, wenn er für Deutschland spielt, und das ist derzeit leider nicht der Fall. Das verstehe und respektiere ich natürlich.
Was muss vom 5. bis 7. März passieren, damit das Deutschland zum vierten Mal in Folge in das Davis Cup Viertelfinale einzieht und nicht in der Play-off-Runde im September um den Klassenerhalt bangen muss?
Das ganze Team muss drei Top-Tage erwischen und bis an die absolute Leistungsgrenze gehen. Dann haben wir eine Chance. Gegen Spanien war es ähnlich, da hat vor allem Philipp überragend gespielt. Damit wir Anfang März in Toulon als Sieger vom Platz gehen, muss einiges zusammenkommen - vielleicht auch, dass der ein oder andere französische Spieler nicht seinen besten Tag erwischt.
Die Davis Cup Erstrundenpartie Deutschland gegen Frankreich startet am 5. März um 13 Uhr mit dem ersten Einzel. Das Doppel wird einen Tag später um 15 Uhr ausgetragen und die beiden letzten Einzel werden am 7. März ab 13 Uhr gespielt. Das Deutsche SportFernsehen (DSF) überträgt live.
Quelle: Pressemeldung Deutscher Tennis Bund e.V. (DTB)
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