Pestizide und Umweltverhalten: Mehr Studien und internationale Standards notwendig
Pflanzenschutzmittel spielen weltweit eine wichtige Rolle in der Nahrungsversorgung. Zugleich haben sie unerwünschte Nebenwirkungen - diese zu vermeiden, ist immer noch eine der größten Herausforderungen. Die Europäische Kommission legt großen Wert auf Umwelt- und Gesundheitsschutz, wenn es um die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln geht. Wie verhalten sich Pestizide in der Luft, im Boden und im Wasser? Das ist eine Kernfrage für Experten, die Strategien und Methoden entwickeln, um Risiken und Nutzen des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln ins Lot zu bringen. Umweltverhalten, Expositionsbewertung und rechtliche Aspekte waren die Themenschwerpunkte der 12. Internationalen Fresenius AGRO-Konferenz"Behaviour of Pesticides in Air, Soil and Water" vom 21. bis 22. Juni in Mainz.
Da Pestizide weltweit eingesetzt werden, ist der kontrollierte Umgang mit ihnen eine globale Aufgabe. Internationale Standards werden meist innerhalb einer Handelszone definiert, wie der Europäischen Union oder des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (NAFTA). Kein leichtes Unterfangen - und eine zusätzliche Herausforderung ist es, Datenanforderungen und Leitlinien über solche Regionen hinweg anzugleichen.
Umweltverhalten: Von lokalen Studien zu globalen Standards?
Die Registrierung von Pflanzenschutzmitteln erfordert Daten zum Umweltverhalten inklusive Bodenabbaustudien, die üblicherweise im betreffenden Land durchgeführt werden müssen, um den regionalen Datenanforderungen zu entsprechen. Die Entwicklung weltweit abgestimmter Überprüfungen würde die Möglichkeit eröffnen, Studien aus einer Region einzureichen und sie als Teil einer globalen Datenbank zu berücksichtigen, sagte Kalumbu Malekani (DuPont Crop Protection, USA) auf der Fresenius-Konferenz. Unter NAFTA haben sich die US-Umweltschutzbehörde EPA und Kanadas Zulassungsbehörde kürzlich darauf geeinigt, ihre Testleitlinien für die Durchführung von Bodenabbaustudien zu harmonisieren. "Derzeit gibt es Bemühungen, die NAFTA-Leitlinien mit den europäischen in Einklang zu bringen und vergleichbare Öko-Regionen in Nordamerika und Europa zu definieren", berichtete Malekani. In seinem Vortrag sprach er über mögliche gesetzliche Herausforderungen, wenn Bodenabbaustudien an einem bestimmten Ort in Nordamerika oder Europa durchgeführt werden und für Risikobewertungen jenseits nationaler Grenzen zum Einsatz kommen sollen: Studiendesigns müssen den Datenanforderungen mehrerer Zulassungsbehörden entsprechen, außerdem ist ein erweitertes Wissen über Ähnlichkeiten und Unterschiede in der Mikrobentätigkeit und in den Funktionen der weltweiten Landwirtschaftsregionen notwendig. Es besteht ein Bedarf an Instrumenten, mit denen Öko-Regionen, Bodenarten und klimatische Bedingungen potenzieller Studien verglichen werden können. Schließlich muss der Studienstandort typische Feldeinsatzbedingungen über internationale Grenzen hinweg repräsentieren. Malekani: "Harmonisierungsbemühungen, die zu gemeinsamen Überprüfungen führen, haben das Potenzial, wirtschaftliche und bürokratische Lasten zugunsten der Registranten und der Behörden zu reduzieren."
Woher kommen die Pestizide im Boden? Urbane Anwendungen spielen eine Rolle
Um die ungewollte Verbreitung von Pestiziden in Luft, Wasser und Boden zu begrenzen, ist es wichtig, die Quellen und Eintragswege zu kennen. Glyphosat ist das am weitesten verbreitete Herbizid. Aufgrund seines raschen Abbaus und seiner starken Anreicherung in Böden könnte man erwarten, dass ein Übergang von Landwirtschaftsflächen in Gewässer eher gering ist im Vergleich zu anderen Herbiziden wie zum Beispiel Triazine. Jedoch hat eine in der Schweiz durchgeführte Vorstudie von Oberflächengewässern Glyphosat in vergleichbaren Konzentrationen wie von anderen Herbiziden nachgewiesen, sagte Christian Stamm (Wasserforschungsinstitut des ETH-Bereichs - Eawag) auf der Fresenius-Konferenz. Da Glyphosat wie einige andere Herbizide häufig auch urban angewendet wird, ließen die Ergebnisse erahnen, dass die landwirtschaftliche Anwendung nicht die einzige relevante Ursache für die Glyphosat-Funde ist. Um die Bedeutung unterschiedlicher Quellen und Eintragswege zu bewerten, die für den Übergang von Glyphosat und anderen Pestiziden in Oberflächengewässern verantwortlich sind, wurde eine Feldstudie in einem urban und landwirtschaftlich genutzten Gebiet (25 Quadratkilometer) durchgeführt. "Insgesamt bestätigen die Ergebnisse die jüngsten Beobachtungen in anderen Ländern: Urbane Quellen sind offenbar in ähnlichem Maße verantwortlich für Wasserverunreinigungen mit Glyphosat wie landwirtschaftliche Quellen. Somit müssen Strategien zur Kontaminationsvermeidung landwirtschaftliche und urbane Anwendungen gleichermaßen berücksichtigen", erklärte Stamm.
Quelle: Pressemeldung Die Akademie Fresenius GmbH
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