Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und Beteiligung der Jugend
Mit der Verabschiedung einer Botschaft ist in Dresden die vorbereitende Jugendkonferenz der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB), die am Dienstag in Stuttgart startet, zu Ende gegangen. Die 120 jungen Erwachsenen aus allen fünf Kontinenten haben sich darin auf drei Schwerpunktthemen geeinigt, die sie in der Vollversammlung einbringen wollen: Nachhaltigkeit, Geschlechtergerechtigkeit und die Rolle der Jugend im LWB. In einer vier Seiten umfassenden Botschaft an die Vollversammlung analysieren sie diese Themen aus der Sicht junger Menschen und stellen Forderungen an die Vollversammlung und die Mitgliedskirchen.
Unter dem Stichwort der Nachhaltigkeit prangern sie das weltweite Wirtschaftssystem an, das durch Gier gesteuert werde und so Reichtum extrem ungleich verteile. Dieses in keiner Hinsicht nachhaltige Wirtschaften, das in die Finanz- und Wirtschaftskrise mündete, wirke sich auch direkt negativ auf den Klimawandel und die Ernährungssicherheit aus. Die jungen Erwachsenen hoben besonders die generationelle Natur der Nachhaltigkeitsfrage hervor. Sie rufen den LWB und die Mitgliedskirchen dazu auf, ihre Aktivitäten nach Nachhaltigkeitsgesichtspunkten zu bewerten und konkrete Schritte zu gehen, beispielsweise nur noch ethisches und ökologisches Investment zu betreiben und sich in ihrer gesellschaftlichen Position aktiv für nachhaltiges Wirtschaften einzusetzen. Außerdem regten sie an, eine Sitzung des LWB-Exekutivkomitees virtuell durchzuführen.
Weiterhin betonten sie die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit für die junge Generation in der Lutherischen Kirchengemeinschaft. Besonders die Möglichkeit von Bildung für Mädchen und Frauen sei zentral, um das Potential dieses Bevölkerungsteils zu nutzen. Allerdings müsse die Kirche für ein glaubwürdiges Auftreten in der Gesellschaft das Problem in ihren eigenen Strukturen überwinden. Dazu forderten die jungen Delegierten die Gleichstellung von Männern und Frauen, die sich sowohl in der Frauenordination zeige als auch in der Zulassung von Frauen zu Leitungs- und Bischofsämtern. Außerdem regten sie weitere theologische Forschung zur Frage der Geschlechtergerechtigkeit an.
Hinsichtlich der Frage nach der Jugendpartizipation lobten sie die Beteiligungsmöglichkeiten im Lutherischen Weltbund, forderten aber zugleich, dass der Auswahlprozess für Jugenddelegierte transparenter und demokratischer ablaufen müsse, damit diese nicht einzig zum Erfüllen einer Quote beteiligt werden. In diesem Sinne betonten sie, dass für eine effektive Partizipation der Jugend Informationen gut verfügbar gemacht und breit gestreut werden müssen. Außerdem regten sie die Einrichtung neuer Jugendstrukturen in der neuen LWB-Architektur an.
Die Jugendkonferenz in Dresden startete am 11. Juli und diente der Vorbereitung der Jugenddelegierten und Stewards auf die Vollversammlung des Lutherischen Weltbunds, die vom 20. bis 27. Juli in Stuttgart stattfindet. Die Vollversammlung steht unter dem Motto "Unser tägliches Brot gib uns heute". Neben Workshops und Open-Space-Einheiten, in denen die jungen Erwachsenen ihre Themen wählten und ausarbeiteten, hielt Bischof Dr. Zephania Kameeta aus Namibia einen Hauptvortrag zur Rolle der Jugend im LWB. Außerdem diskutierten die jungen Erwachsenen mit dem gewählten Generalsekretär des LWB, Martin Junge - er wird am 1. November die Nachfolge von Pfr. Dr. Ishmael Noko antreten -, und dem amtierenden Direktor der LWB-Abteilung für Mission und Entwicklung, Jaap Schep, die Herausforderungen des LWB. Junge hob dabei die Bedeutung der Jugend für den LWB hervor: "Ihr seid nicht die Zukunft der Kirche, sondern ihre Gegenwart und in ihr gegenwärtig!".
Für ein Rahmenprogramm sorgte die Evangelische Jugend in Sachsen, so dass die internationalen Gäste sowohl das hochsommerliche Dresden als auch die Angebote der Evangelischen Jugend kennen lernen konnten. Nach einem Abschlussabend auf der Elbe werden die jungen Erwachsenen am Samstag mit einem Zwischenstopp auf der Wartburg nach Stuttgart aufbrechen. Dort verbringen sie das Wochenende in Gastfamilien, um die deutsche Kultur näher kennenzulernen, bevor sie am Dienstag bei der Vollversammlung teilnehmen.
Quelle: Pressemeldung Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)
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