Einbrecher stehen auf iPods und Metallschrott
Frau Festl, wie sieht es derzeit mit der Einbruchdiebstahl- und Raubkriminalität im Firmengeschäft aus?
Sigrid Festl: Nach einem extremen Höhepunkt Anfang der 90er Jahre hat die Kriminalstatistik in den Folgejahren eine leichte Entspannung gezeigt. Seit zwei Jahren ist jedoch im gewerblichen Bereich in einigen Segmenten wieder eine steigende Tendenz zu beobachten. Das gilt auch für Raubüberfälle.
Was wird denn in Betrieben am häufigsten gestohlen?
Sigrid Festl: Früher waren Pelze und Teppiche bei den Einbrechern sehr begehrt. Nach wie vor sind Uhren und Schmuck, Textilien, Tabakwaren, Unterhaltungselektronik und Sportartikel gefragt. Bargeld sowieso. Und jetzt natürlich auch Handys und PCs, insbesondere Notebooks, Flachbildschirme und iPods.
Die modernen Kommunikationsgeräte sind ja quasi überall zu finden und oft schlecht gegen Einbruch gesichert - in Schulen oder Verwaltungsbetrieben genauso wie bei Freiberuflern und auch in Büros von Handwerks- oder Produktionsbetrieben.
Sind besondere Trends auszumachen?
Sigrid Festl: Aufgrund der hohen Rohstoffpreise haben es Kriminelle derzeit verstärkt auf Schrott und Metalle abgesehen. Wir haben einen Fall, bei dem sind unbekannte Täter in einen Betrieb, der Elektro-Kleinmaschinen herstellt, eingedrungen und haben 20 Tonnen Kupfer entwendet.
Ein weiterer Trend ist auf den Mangel an Gebrauchsgütern in den östlichen Nachbarländern zurückzuführen. Reifen und Felgen, Auto-Ersatzteile und Diagnosegeräte wandern über die Grenze. Gestohlen werden sogar medizinische Geräte aus Zahnarzt- und Arztpraxen wie Bohrer, Zahnsteinentferner oder Ultraschallgeräte.
Bei Einbrüchen in Optikerläden werden Brillengestelle en masse entwendet. Letztes Jahr gab es hier drei Großschäden mit einem Sachschaden von insgesamt 345.000 Euro und einem Betriebsunterbrechungsschaden von rund 15.000 Euro.
Häufig überfallen werden auch Postagenturen. Die Deutsche Post verlagert seit Jahren ihre Dienste - vor allem auf dem Land - auf Postagenturen, die in bestehenden Geschäften eingerichtet werden. Der Geschäftsinhaber handelt sich ein nicht zu unterschätzendes Risiko ein. Da in den Agenturen auch Bankdienstleistungen verrichtet werden, sind oftmals beträchtliche Werte an Bargeld vorhanden. Bei den Postagenturen verlangen wir daher verstärkte Maßnahmen, wie sie bei Banken schon länger üblich sind, wie beispielsweise Wertschutzschränke mit Einwurfvorrichtung oder anerkannte Einbruchmeldeanlagen.
Fast schon ein Relikt aus vergangenen Tagen: Einbrecher gehen zunehmend dreist und brutal vor.
Man hört immer wieder, dass Einbrecher zunehmend dreist und brutal vorgehen. Können Sie das bestätigen?
Sigrid Festl: Seit ein paar Jahren werden durch organisierte Banden Blitzeinbrüche und Raubüberfälle auf Juweliere verübt. Die Täter rammen mit Pkws die Schaufenster oder brechen mit Hämmern Vitrinen im Ladeninneren auf. Gestohlen werden nur die sehr teuren Uhren.
Wir haben es hier mit Brachialgewalt zu tun! "Feinmechaniker" sind nicht mehr gefragt. Mit Schraubendreher, "Kuhfuß" und Brechstange werden Türen, Fenster und Terrassentüren aufgehebelt - dabei entsteht meist ein beträchtlicher Schaden am Gebäude, den die Einbruchdiebstahl-Versicherer auch ersetzen. Wenn Türen und Fenster nicht besonders gegen Einbruch gesichert sind, geht das oft in Sekundenschnelle.
Auch den sogenannten "Schränker", der die Zahlenkombination des Geldschrankes "abhört", gibt es nur noch in alten Filmen. Heute werden die Wertschutzschränke mittels Lkw und Stahlseil aus der Verankerung gerissen, aufgeladen und mitgenommen.
Was kosten die Einbrüche und Raubüberfälle die Allianz?
Sigrid Festl: Allein im Jahr 2007 hat die Allianz Schadenzahlungen von ca. 47 Millionen Euro im Firmengeschäft getätigt.
Wie versichert man sich denn am sinnvollsten gegen Einbruch?
Sigrid Festl: Absichern kann sich der Betriebsinhaber durch die Firmen-Inhaltsversicherung. Im Baustein Einbruchdiebstahl ist versichert, was bei einem Einbruch entwendet oder aber auch zerstört oder beschädigt wird. Das können Waren, Einrichtungsgegenstände oder Bargeld sein. Auch reine Vandalismusschäden nach einem Einbruch sind gedeckt. Und Werte, die bei Raubüberfällen erbeutet werden.
Und was muss man selber zur Vorsorge unternehmen?
Sigrid Festl: Was an Sicherheitsvorkehrungen notwendig ist, steht in unseren Sicherungsrichtlinien, die zwischen leichten, mittleren und hohen Risiken unterscheiden. Ein leichtes Risiko ist beispielsweise ein Obst- und Gemüsegeschäft oder ein Installateur. Hier reicht es aus, wenn der Inhaber Sicherheitsschlösser an den Türen vorweisen kann. Bei einem mittleren Risiko - wie bei einem Getränkehandel oder einer Werbeagentur - verlangen wir, dass mechanische Sicherungen gegen das Aufhebeln von Türen oder Fenstern vorhanden sind.
Bei hohen Risiken wie im Textil- und Bekleidungshandel, bei Optikern, im Sportartikel- oder Computerhandel fordern wir besonders stabile Türen und Fenster und beste mechanische Sicherungen. Hierzu gehören hochwertige Schlösser, stabile, absperrbare Rollläden oder einbruchhemmendes Schaufensterglas. Zusätzlich muss eine VdS-anerkannte Einbruchmeldeanlage - sprich: Alarmanlage - installiert werden mit Fernalarm an ein geeignetes Wach- und Sicherheitsunternehmen. Die VdS Schadenverhütung GmbH ist eine Einrichtung des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft und arbeitet zum Schutz von Leben und Sachwerten.
Wenn ein Geschäft besonders hohe Werte besitzt - nehmen wir einen Juwelier - oder schon öfter überfallen wurde, fordern wir individuell noch umfangreichere Sicherheitsmaßnahmen. Einbruchhemmende Vitrinen, Vereinzelungsschleusen oder gar ein Wachmann können zusätzliche Auflagen sein. Wichtig ist, dass organisatorische Maßnahmen, mechanische Sicherungen und Einbruchmeldeanlagen in einem Sicherheitskonzept sinnvoll aufeinander abgestimmt sind, damit sich der bestmögliche Schutz ergibt. Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nie.
Quelle: Pressemeldung Allianz SE
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