Die Behandlung des Ulcus cruris venosum

24.10.2007 | Heidenheim
Innovationen bei der Kompressionstherapie: Das Thema interessiert nicht nur die 2,4 Millionen Menschen, die allein in Deutschland unter einer venös bedingten chronischen Wunde leiden, sondern auch Phlebologen. Welche Strategien in der Kompressionsbehandlung erfolgreich sind und welche Faktoren über die Prognose entscheiden, diskutierten Experten auf der 49.

Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie im Rahmen des Symposiums "Gibt es noch Innovationen bei der Kompressionstherapie in der Praxis?"*.

Venös bedingte chronische Wunden sind meist die Folge einer Varikosis sowie postthrombotischer Veränderungen. Ein Großteil der Betroffenen entwickelt Rezidive. Bei 20% kommt es trotz adäquater Kompressions- und topischer Behandlung nicht zur Abheilung. Mithilfe von modernen Kompressionsstrumpf-Systemen lassen sich selbst phlebologische Härtefälle günstig beeinflussen und zur Abheilung bringen, wie Dr. Heike-Rahel Pfister und Kollegen, Phlebologische Gemeinschaftspraxis, Freiburg, in einer prospektiven Praxisstudie zeigen konnten.

Erfolge mit dem Kompressionsstrumpf-System Saphenamed ucv - Kompression sichert Heilung

Die Phlebologen untersuchen den Behandlungserfolg des Kompressionsstrumpf-Systems Saphenamed ucv an 20 Patienten mit venösem Ulcus cruris. Bisher wurden 16 Patienten behandelt. Sie waren im Durchschnitt 71 Jahre alt, die Hälfte von ihnen mit phlebodynamisch nachgewiesenem postthrombotischem Syndrom, 80% mit chronisch rezidivierendem Ulkus.

Als wichtig unter dem Gesichtspunkt der Patientenzufriedenheit erwies sich die integrierte Anziehhilfe, die es älteren Patienten ermöglicht, den Kompressionsstrumpf selbstständig über das Sprunggelenk zu ziehen. Das Gleiche gilt für die Wellenstricktechnik, wodurch sich Ober- und Unterstrumpf verhaken und so größere Stabilität geben.

Ulkusgröße und Schmerzhaftigkeit besserten sich bei diesen Patienten mit chronischer Abflussbehinderung überraschend schnell, so Pfister. Ein Drittel der Patienten wies nach sechs Wochen keine Schmerzen mehr auf, ein Drittel zeigte eine deutliche Besserung, ein weiteres Drittel war unverändert bzw. verschlechtert. Bei sechs Patienten heilte das Ulkus unter der kombinierten Wund- und Kompressionsbehandlung ab, bei weiteren sechs verkleinerte es sich deutlich. Vier Patienten zeigten keine Veränderung, was bei dreien auf den Abbruch der Kompressionstherapie nach wenigen Tagen zurückzuführen war. Sie hatten den Kompressionsdruck am Rande des Ulkus als unangenehm empfunden.

Fallbeispiel zeigt: Erwartungen übertroffen

Die Effizienz des Strumpfsystems verdeutlichte Pfister anhand eines Fallbeispiels: Bei einem 78-jährigen Landwirt wurde ein postthrombotisches Syndrom diagnostiziert. Er hatte bereits zweimal eine Vier-Etagenthrombose und leidet seit acht Jahren unter rezidivierenden Ulzera. Seine Haut ist massiv vorgeschädigt, die Epidermis permanent irritiert, es wird ständig Exsudat produziert. Im Laufe der Studie verkleinerte sich die Wundfläche unter gleichzeitiger Schmerzabnahme, sodass der Patient seiner Arbeit wieder nachgehen konnte. Glücklich über dieses Ergebnis, trägt er den Strumpf weiterhin. Mittlerweile ist das Ulkus fast vollständig geschlossen.

Prognostische Marker für die Ulkusheilung

Für eine interdisziplinäre Betrachtungsweise des Ulcus plädierte die Dermatologin Dr. Katrin Welt von der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie, Ulm. Um die Heilungschancen zu verbessern bzw. besser einschätzen zu können, wären prognostisch relevante klinische Faktoren hilfreich, so Welt. Anamnestisch ungünstige Faktoren sind neben einem hohen Alter, Adipositas und Schmerzen die Persistenz des Ulcus cruris venosum seit mehr als sechs Monaten und Wundgrößen von mehr als 10 cm2.

Daneben können Zusatzdiagnosen die Prognose verschlechtern. Häufig ist dies vor allem eine bestehende Dermatoliposklerose. Eine spezialisierte Therapie erfordern aber auch bakterielle Entzündungen, insbesondere wenn sie polymikrobiell sind, Keimzahlen von > 105 KBE (Kolonie bildende Einheiten) vorliegen, Pseudomonas aeruginosa beteiligt ist oder die Infektion im Sinne einer Osteomyelitis in die Tiefe geht. Welt plädierte dafür, den Wundrand zu biopsieren, um prognostisch ungünstige Vaskulitiden oder Tumore (z.B. Basaliome, spinozelluläre Karzinome) auszuschließen.

Prognostisch von Bedeutung scheinen darüber hinaus ein Hämochromatose-Gendefekt und ein Faktor XIII-Mangel zu sein. Ersterer lässt sich bisher nur nachweisen, hat aber keine therapeutischen Konsequenzen, letzterer lässt sich durch Gabe von Faktor XIII korrigieren.

HARTMANN-Preis für phlebologische Forschung erstmals ausgeschrieben

Die Phlebologie entwickelt sich immer mehr von einer erfahrungsorientierten Disziplin zu einer wissenschaftlich begründeten, wie der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie, Prof. Eberhard Rabe, Bonn, betonte. Um diese Prozesse weiter voranzutreiben, hat die Gesellschaft den HARTMANN-Preis ausgeschrieben. Er soll einerseits die Phlebologie für Jungmediziner interessant machen. Andererseits verspricht sich die Gesellschaft davon neue wissenschaftlich fundierte Impulse, die in der Praxis umsetzbar sind. Erbeten sind insbesondere innovative Vorschläge für klinische Studiendesigns sowie abgeschlossene Arbeiten oder Vorträge, die den Vorteil neuester phlebologischer Ansätze in der täglichen Praxis untersuchen.

Der von der PAUL HARTMANN AG gestiftete Preis ist mit 5000 Euro dotiert. Arbeiten können bis zum 31. März 2008 per Post oder E-Mail an Prof. Eberhard Rabe, Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Universitätsklinikum Bonn, Sigmund-Freud-Str. 25, 53105 Bonn, E-Mail: eberhard.rabe@ukb.uni-bonn.de geschickt werden. Die Verleihung findet anlässlich der 50. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie vom 15. bis 18. Oktober 2008 in Bochum statt.

  • HARTMANN Firmensymposium "Gibt es noch Innovationen bei der Kompressionstherapie in der Praxis?", anlässlich der 49. Jahrestagung der DGP, Mainz, 27.9.2007.



Quelle: Pressemeldung PAUL HARTMANN AG

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