Chile: "Wir brauchen dringend Hilfe!"
In den frühen Morgenstunden des 27. Februar 2010 versetzte ein Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Richterskala weit über die Hälfte der Bevölkerung Chiles in Angst und Schrecken.
Die Chilenen sind zwar teilweise an Erdbeben gewöhnt, doch als die Erdstöße über sechs Minuten lang anhielten und eine Intensität erreichten, dass sich kaum noch jemand auf den Beinen halten konnte, zweifelten viele Menschen daran, dass sie diese Katastrophe überleben würden.
Das Beben, das von Valparaíso im Norden bis Araucanía im Süden reichte und dem seither mehr als 270 gemessene Nachbeben folgten, war das stärkste Erdbeben in Chile seit 1960 und setzte fünfhundert Mal so viel Energie frei wie das verheerende Erdbeben, das nur sich wenige Wochen zuvor auf Haiti ereignet hatte.
Schon kurz nach dem ersten Beben überrollten bis zu 16 Meter hohe Tsunami-Wellen die Küstenorte, rissen Schiffe, Autos und Häuser fort und machten ganze Straßenzüge dem Erdboden gleich. Viele Chilenen sehen es angesichts der Wucht der Erdstöße, die zum Beispiel in Talca fast 50 Prozent des Stadtkerns zerstörten, als ein Wunder an, dass die Katastrophe nicht viel mehr als 452 Menschenleben forderte. Über 100 Personen gelten jedoch immer noch als vermisst.
"Es gibt Hunderte Personen, die nun kein Haus mehr haben und auf der Straße leben, ihre Toten beweinen und Hoffnung in der Kirche suchen", berichtet uns Alejandro Goic Karmelic, der Vorsitzende der Chilenischen Bischofskonferenz und Bischof von Rancagua.
"Nach einer ersten Bestandsaufnahme sind 80 bis 90 Prozent aller Kirchen, Kapellen, Pfarrhäuser und Friedhöfe zerstört", so Msgr. Alejandro Goic. "Die Eucharistiefeiern finden unter freiem Himmel statt. Wir brauchen dringend Hilfe!" Besonders schwer betroffen sind die Diözesen Rancagua, Talca, Linares, Chillán und Concepción.
Eine der Zeltkirche, die durch die Unterstützung von KIRCHE IN NOT errichtet werden konnte.
Rund 60 Kilometer östlich der Industriestadt Concepción liegt das Bistum Chillán. "Unsere Aufgabe ist es, den Schmerz zu teilen, aufzubauen, Kraft zu geben und nach der Katastrophe wieder aufzustehen", schrieb uns kürzlich der dortige Bischof Carlos Pellegrin Barrera.
In der Nachbardiözese Linares, wurden sieben von 33 Pfarrkirchen beim Erdbeben komplett zerstört und 100 Kapellen stark beschädigt. Pater Lorenzo Solari gibt Hoffnung. Er übermittelt, dass die nicht Menschen total verzweifelt seien, obwohl manche ihre Familienangehörige verloren hätten. Das Erdbeben habe die Solidarität untereinander sehr gestärkt. Die Leute hätten alles geteilt, so der Priester.
Besonders um die Gotteshäuser besorgt
Ulrich Kny, Lateinamerika-Referent von KIRCHE IN NOT, der inzwischen die betroffenen Diözesen besucht hat, zeigte sich tief beeindruckt von dem starken Glauben der Bevölkerung. Er berichtet: "Ich habe keinen Menschen getroffen, der nur sein Schicksal beklagt hätte.
Stattdessen dankten die Menschen Gott für das Geschenk des Lebens und des Glaubens und machten sich an die Arbeit, um Schutthaufen zu beseitigen und beschädigte Häuser abzureißen und wiederaufzubauen. Viele machten sich weitaus größere Sorgen um die Gotteshäuser als um ihre eigenen Häuser."
Gottesdienst in einer Zeltkirche.
Kurz nach dem Erdbeben reagierte unser chilenisches Nationalbüro mit der Aktion "Lasst uns Chile mit Christus wiederaufbauen!". Mindestens 50 Zeltkapellen - Stahlkonstruktionen, die auf Betonklötzen ruhen und mit Planen bespannt werden - sollen den Menschen in den nächsten Jahren als Notkirchen dienen. Rund 100 Personen haben darin Platz. Allerdings drängt die Zeit, denn in der Krisenregion kehrt der Winter ein - mit kalten Temperaturen und ergiebigen Regenfällen.
Der Wiederaufbau wird die Bischöfe in Chile noch lange beschäftigen. "Es wird Jahre dauern", schreibt uns der Erzbischof aus Concepción, Ricardo Ezzati Andrello. Doch es geht voran. Am 29. Mai wurde in La Compañía in der Diözese Rancagua die erste Zeltkapelle eingeweiht.
"Ein Raum, um Christus zu begegnen"
Während der Segnung durch Msgr. Bernabé Silva wandte sich der Pfarrer von La Compañía, Aquiles Correa, an KIRCHE IN NOT: "Der Schmerz war groß, aber der Glaube und das Vertrauen in Gott motivierten uns, weiterzugehen. Danke für diesen Ort, den Sie uns gegeben haben. Er wird ein Raum sein, um Christus zu begegnen, ein Eckstein unseres Lebens, ein Ort, um sich in Gemeinschaft zu treffen und die Sakramente zu empfangen, ein Ort, um sich vor Kälte und Regen zu schützen."
15 Kapellen wurden bereits finanziert. Mit Ihren Spenden können weitere Kapellen errichtet werden. "Ohne Ihre Unterstützung wird die Kirche in Chile nicht vorankommen", sagte uns Msgr. Goic eindringlich. Die Katholiken Chiles benötigen einen Ort, an dem sie beten und die Heilige Messe feiern können.
Quelle: Pressemeldung KIRCHE IN NOT / Ostpriesterhilfe Deutschland e.V.
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